Sonntag, 20. März 2011

Schild-Bürger: Tafelschreiber


Deutsch, eine präzise Sprache.

Sonntag, 6. März 2011

Und dann war sie deutsch

Jan und Maria waren ein wenig nervös, waren sie sich doch sicher, dass die deutschen Behörden es ablehnen würden, ihrem Kind die Nachnamen beider Eltern zu geben.
Der holländische Nachname des Vaters kombiniert mil dem portugiesischen der Mutter hätte einen Ungetüm aus drei Wörtern ergeben - etwas, dass in Deutschland verboten ist.
Um so erstaunter waren sie als der Name einfach so durchgewunken wurde. War der Behörde ein Fehler unterlaufen?
Egal, eine Hürde war überwunden und die beiden überlegten, welche Nationalität sie ihrer Tochter geben sollten. Die holländische oder die portugiesische oder beide?
Während sie noch überlegten, was sie tun sollten, flatterte erneut ein Brief der deutschen Behörden ins Haus. Dort wurde ihnen mitgeteilt, dass ihre Tochter deutsch sei. So saßen sie da, schauten erstaunt auf den Brief und freuten sich, eine wahrlich multikulturelle Familie zu sein. 3 verschiedene Nationalitäten und 3 verschiedene Namen - Wohnsitz in Deutschland.

Montag, 7. Februar 2011

Hauptgericht

Nach 3 Wochen in Deutschland gehörte Essen nicht gerade zu Deepalis Lieblingsaktivitäten.
In Indien gab es aromatisierten Reis, farbige Curries, Gemüse, Kräuter, Gewürze, die allesamt einen köstlich-intensiven Geschmack im Mund verbeiteten.
Und hier in Deutschland? Sie begriff nicht, wie sich die Leute mit Bratwurst und Ziegenkäse (Zieeeegenkäse!?) zufrieden geben konnten. Das waren doch nur Snacks! Wo war der Rest?
Und so war sie um so erfreuter als sie eine Einladung zu einer Feier erhielt, die ein üppiges Buffet versprach. Endlich ein vernünftiges Essen!
Als sie ankam, schweifte ihr Blick über das Angebot auf dem Buffettisch: Rucola, Salat, Dressing, in Soße schwimmende Würste, ein Brotkorb, Bratkartoffeln mit Salz & Peffer, irgendwelche weißen Klöße, und eine Käseplatte. Sie lud sich eine Auswahl auf ihren Teller und setzte sich auf einen Stuhl an der Wand.
Zufrieden beobachte der Gastgeber wie sich seine Gäste von den sorfältig ausgewählten Speisen bedienten. Er ging zu Deepali und fragte sie, ob soweit mit dem Essen alles in Ordnung sei. Deepali strahlte "Die Vorspeisen sind klasse, aber jetzt warte ich erst einmal auf die Hauptspeisen, bevor ich mir noch Nachschlag hole. Ich will ja noch genug Platz für das richtige Essen haben."

Samstag, 22. Januar 2011

7 + 1: Sandra (Portugal)

7 Sachen, die mir an Deutschland gefallen:
  • Lebensqualität - gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben
  • Die Lage: Deutschland liegt im Zentrum Europas, nah an vielen Plätzen, die mich interessieren
  • Zvilisiertere Fahrweise und gleichzeitig keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf manchen Autobahnabschnitten
  • Die großen Unterschiede zwischen den Jahreszeiten. Die Natur ist immer wunderschön und so sauber
  • Die Weihnachtszeit: die Märkte, die Atmosphäre
  • Gutes Bier (bevor ich nach Deutschland kam, wusste ich Bier gar nicht zu schätzen)
  • Das Gefühl der Sicherheit (wodurch ich dann zu entspannt durch Portugal laufe & fahre, wenn ich einmal wieder dort bin)
1 Sache, die ich in Deutschland vermisse:
  • Der Ozean - sein Geruch und das Geräusch seiner Wellen

Samstag, 15. Januar 2011

Du kannst mich mal gerne haben

Es war reiner Zufall, dass Victoria ausgerechnet in der einzigen amerikanischen Bar weit und breit arbeitete, um Geld für ihr Studium zu verdienen.
Sie war schon eine Weile im Land und fühlte sich recht sicher im Umgang mit der deutschen Sprache. Und selbst wenn alle anderen Mitarbeiter aus den Dörfern der Umgebung stammten, so kam sie doch auch mit deren Dialekten zurecht.
Es war nicht ihre Art, mit Menschen zu streiten, doch wie alle anderen in der Bar geriet sie immer wieder mit dem arroganten Barkeeper aneinander.
Als es eines Tages einmal wieder soweit war, rief dieser Victoria in einem Streit ein "Du kannst mich mal gerne haben" entgegen. Sie war ein klein wenig verblüfft über seine unerwartete Freundlichkeit und entgegnete ihm milde "Aber ich habe dich doch auch gerne. Du kannst nur manchmal so furchtbar nervend sein."
Besagter Barkeeper lächelte sie darauf jedoch nur fies an und sagte "Du hast es nicht kapiert. Ich habe dir gerade gesagt, dass du mich am Arsch lecken kannst."
Letztere Redewendung kannte Victoria nur zu gut, und ihr wurde klar, dass die deutsche Sprache auch nach 7 Jahren immer noch genug Fallen für sie hatte.

Samstag, 8. Januar 2011

Das macht man nicht!

Es gab einen lauten Knall als die Dame Gustavo auf die Hand schlug. Seit Ewigkeiten hatte ihn niemand mehr geschlagen. Voller Schreck zog er seine Hand zurück und ließ die Orange fallen.
"Das macht man nicht!", sagte ihm die Dame vom Obststand mit bösem Blick ins Gesicht.
Dabei wollte er bei seinem ersten Besuch in München lediglich ein wenig frisches Obst auf dem Markt kaufen. Und wie sonst sollte er herausfinden, ob das Obst frisch war, wenn nicht durch Anfassen?
"Oh je, oh je", dachte Gustavo, "ich muss mich hier anpassen, sonst habe ich bald keine Hände mehr".

Sonntag, 2. Januar 2011

Schild-Bürger: Aufzug nicht benutzen!

Dürfen in diesem Aufzug Lasten bei Feuer transportiert werden (für den Fall, dass der Aufzug in Betrieb ist)?

Samstag, 25. Dezember 2010

Schlange stehen

Deepali war erst seit ein paar Wochen in Deutschland und alles erstaunte sie.
Am meisten aber beeindruckte sie wie bessessen die Deutschen vom Schlangestehen waren. Es war erstaunlich zu sehen, wie die emisigen Deutschen geduldig im Supermarkt, bei der Post oder an der Theaterkasse warteten. Niemand in Indien würde sich dafür die Zeit nehmen. Schlangen waren doch so langsam und langweilig!
Und so kaufte Deepali ihre erste Zugfahrkarte gänzlich auf indische Art. Die Person vor ihr in der Schlange hatte noch nicht bezahlt, da streckte sie die Hand aus und fragte nach ihrer Karte. Die Dame am Schalter schaute sie ein wenig schräg an, gab ihr aber das Ticket.
"Na also, geht doch", dachte sie, "was haben die Deutschen bloß mit ihren Schlangen?".
Kaum auf dem Bahnsteig, kam auch schon ihr Zug. Der Zug hielt, sie stürmte hinein und schaute sich nach einem Fensterplatz um, als sie bemerkte wie die meisten Leute, die mit ihr auf dem Bahnsteig gewartet hatten, immer noch in so etwas wie einer Schlange draußen an der Tür standen.
Deepali war verwirrt und wusste nicht recht, was sie tun sollte. Sie wusste zwar, sich im Gedränge durchzusetzen, aber diese stille Missachtung ihres Verhaltens bereitete ihr Unbehagen.
Zunächst wollte sie sich möglichst schnell auf einen Sitz in einer Ecke verkriechen, folgte dann aber doch dem Ruf ihres Gewissens, schlich verlegen aus dem Zug und reihte sich schüchtern hinten in die Schlange ein.
Die anderen nickten ihr anerkennend zu, und ihr wurde klar, dass die Deutschen Schlangestehen anscheinend nicht als Zeichen der Schwäche, sondern des Respekts ansahen.

Montag, 13. Dezember 2010

Weihnachts-Unterhosen 2010

Die Heidelberger Weihnachtsunterhosen - eines der beliebtesten Bilder dieser Seite. Auch dieses Jahr wieder. Dies mal in neuer Ansicht. Nicht von Norden, sondern von Süden geschaut.
Herrlich nicht wahr?
Die Sicht der letzten Jahre: 2009

Sonntag, 5. Dezember 2010

Und Gerechtigkeit für alle

Nasreen war erst vor kurzem aus dem Iran nach Deutschland gekommen und kämpfte sich mit ihrem wenigen Deutsch durch die neue Welt.
Zum Glück war ihr Bruder schon einige Jahre länger im Land und so unternahmen sie oft gemeinsam Dinge in Berlin. Eines Tages stoppte ihr Bruder im Halteverbot, und prompt kamen zwei Polizisten auf ihn zu, um ihn auf sein Vergehen aufmerksam zu machen. Er versuchte sich herauszureden als einer der beiden Polizisten ihm das Angebot machte: "Wenn Du mir 20 Mark gibst, können wir die Sache vergessen".
Der Polizist hatte nicht mit dem Gerechtigkeitssinn von Nasreens Bruder gerechnet - und so fuhr dieser den Polizisten an, wo er denn glaube dass er sei, warum er ihn duze, und er möge ihm doch bitte einmal seine Dienstnummer geben.
Diese bekam er und dazu ein echtes Protokoll. Er verabschiedete sich von den Polizisten mit der Ankündigung, dass man sich vor Gericht Wiedersehen würde.
Bleich im Gesicht hatte Nasreen die Szene beobachtet. Sie hatte Angst, verstand nur die Hälfte und sagte zu ihrem Bruder "Bist du verrückt, du kannst dich doch nicht mit der Polizei anlegen. Jetzt werden wir alle Ärger kriegen!". "Werden wir nicht, hier kann man selbst den Bundeskanzler verklagen", entgegnete er ihr ruhig.
Ein paar Wochen später mussten sie tatsächlich vor Gericht erscheinen. Nach all den Geschichten, die sie über iranische Gerichte gehört hatte, hatte sie alles andere als ein gutes Gefühl, als sie das Gericht betrat. Um so erstaunter war sie, dass sie den Prozess gewannen und die Polizisten verurteilt wurden.
Sie war beeindruckt, und Demokratie war plötzlich mehr als ein Wort für sie.

Sonntag, 7. November 2010

Direktheit

Auch nach vielen Jahren in Deutschland passiert es Nuno, dass er von der direkten Art der Deutschen überrascht wird.
In Portugal vermeidet man zu direkte negative Antworten und dreht zunächst einmal ein paar Kreise bis man zum Punkt kommt.
In Deutschland hingegen ist es, als wenn die direkte Meinung ohne Umschweife direkt wie in kaltes Messer in die Brust des Gegenüber gestoßen wird.

Frage: "Ist das gut so wie ich es gemacht habe?"
  • Antwort Portugiese: "Das ist gut, aber man müsste an der ein oder anderen Stelle noch etwas ändern."
  • Antwort Deutscher: "Nein, das ist falsch."

Samstag, 30. Oktober 2010

7 +1: Emily (Kanada)

7 Sachen, die mir an Deutschland gefallen:
  • Die Nähe zu Frankreich
  • Die Nähe zu Italien
  • Dass Schokolade zur Grundnahrung gehört
  • Die Genauigkeit der Sprache
  • Dass mein Arbeitgeber mir einen Firmenwagen ermöglicht und dass ich jetzt einen super-sexy Audi A5 zum Neidwesen aller Männer in meiner Nachbarschaft fahre.
  • Seitenbacher Müsli und Roggenvollkornbrot vom Bäcker
  • Dass die Zeitungen ausführliche Meinungsartikel und Leitartikel drucken
1 Sachen, die ich in Deutschland vermisse:
  • Ahornsirup in 5-Liter-Kanistern

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Demonstrieren

Luiza war in Brasilien politisch recht aktiv und beteiligte sich an der ein oder anderen Demonstration.
Als sie schon eine Weile in Deutschland wohnte, fragte sie einen Freund wie sich die Leuten denn hier zu Demonstrationen fänden. Zwar hatte sie schon einiges in Deutschland erlebt, als sie aber erfuhr, dass man eine Demonstration anmelden muss und dass sie immer von der Polizei begleitet wird, war sie baff "Das ist ja Wahnsinn hier! Alles schön geregelt."
Für Brasilien hatte sie es einfacher in Erinnerung: Man hatte eine Meinung, sammelte ein paar Leute, griff ein Megafon, und ab ging es auf die Straße.

Samstag, 9. Oktober 2010

Schild-Bürger: Achim, Rudi & Uwe



Das kann man regelmäßig hier sehen: Ort.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Gastfreundschaft

Im Iran ist Gastfreundschaft das höchste Gut.
Egal wie wenig eine Familie hat, kommt ein Gast, so werden die Tische mit Essen beladen, dass sich die Balken biegen. Egal um welche Tageszeit, es wird vorausgesetzt, dass der Gast Hunger hat.
Um so erstaunter war Nasreen in ihrer ersten Zeit, wenn sie die Wohnungen von Deutschen betrat. Niemand schleppte Berge von Speisen heran, nein nicht einmal ein Apfel oder Nüsse wurden ihr angeboten. Lediglich mit ein wenig Glück wurde ihr ein Glas Mineralwasser gereicht.
Fast ohnmächtig vor Schreck wurde sie einmal, als sie im Wohnzimmer des Gastgebers saß und dieser sie mit einem Glas Fanta und den Worten verabschiedete "Mach's dir ruhig bequem. Ich bin in 5 Minuten zurück, ich gehe nur schnell in die Küche, um etwas zu essen."
So gewöhnte sie sich mit der Zeit daran, genau darauf zu achten, ob eine Einladung ein Essen enthielt oder nicht. Und in letzterem Fall aß sie noch einmal kräftig, ehe sie sich auf den Weg zu ihrer Einladung machte.