Dienstag, 6. März 2012

Klopfen

Larrys erste Erfahrung mit Deutschland fanden bei einem Bewerbungsgespräch statt. Er wurde in die Firmenzentrale des potenziellen Arbeitsgebers eingeladen und musste sich per Assessment Center befragen lassen.
Er wurde befragt und getestet. Irgendwann im Laufe des Tages wurde er mit allen anderen Teilnehmern in einen Raum eingeladen, um sich dort einen Überblicksvortrag über die Firma anzuhören. Man saß rund um einen großen Tisch und am Kopfende trug eine Dame vor.
Als der Vortrag beendet war, begann er zu klatschen - so wie er es von Australien gewohnt war. Doch kaum hatte er 5 mal geklatscht, bemerkte er, dass er der einzige war, der klatschte.
Er verlangsamte sein Klatschen, schaute nach links, schaute nach rechts: Alle anderen um ihn klopften mit den Knöcheln ihrer Faust auf den Tisch...
Larry entgegnete den Blicken, die er erntete, mit einem verlegenen Lächeln, wurde rot, senkte seine Hände und klopfte mit allen anderen mit.
Seit diesem Tag klopft Larry.
Heute, viele Jahre später, ist er längst zu einem Klopfexperten geworden. Nicht nur dass er weiß, wie man richtig nach einem Vortrag klopft, er kann inzwischen sogar Melodien klopfen und bietet Ausländern, die neu im Land sind, einwöchige Abendkurse für "Klopfen im Professionellen Umfeld" an.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die ernsten deutschen Frauen, Teil 2

"In Deutschland erschrecken die Frauen, wenn man sie an nicht offiziellen Flirtorten, also im Club oder im Internet, anspricht. Für das Flirten brauchen deutsche Frauen Zonen. So wie die Raucherzone. Das ist nicht gerade die Flirtkultur, die ich aus Frankreich kenne. Es gibt hier gar keine Flirtkultur! Aber vielleicht wird das auch nicht erwartet oder verlangt. Die deutsche Frau reagiert aufs Flirten mit: »Was will er von mir?«, dabei sollte die Frage einfach heißen: »Was will ich von ihm?« Ich frage mich immer noch, wie die Deutschen zusammenkommen."

Von Alain-Xavier Wurst - komplettes Interview findet sich in der Zeit.

Samstag, 4. Februar 2012

Die ernsten deutschen Frauen

Die deutschen Frauen kamen Nuno immer furchtbar ernst vor.
Auch nach 10 Jahren im Land, versteht Nuno nicht, wie man mit einer deutschen Frau flirten kann, und es sprengt sein Vorstellungsvermögen, wie denn gar eine romantische Konversation aussehen könnte.
Aus Portugal war er es gewohnt, dass man eine Frau mit einer humorvollen Bemerkung anspricht.
Nur wenn er es ab und zu in Deutschland mit seinem Humor versuchte, fanden die Frauen seine geistreichen Bemerkungen gar nicht geistreich und starrten ihn im besten Fall entgeistert an.
Auf diese Weise schockierte er mit wechselnden Reaktionen, aber stets ohne ein Lachen oder Lächeln zu ernten, einige Jahre die Damenwelt Deutschlands.
Kam sein Humor nicht an, oder war es lediglich die deutsche Sprache, die den Witz aus seinen Worten filterte?
Wie auch immer, schließlich gab er es auf herauszufinden, was denn deutsche Frauen lustig finden. Immerhin beruhigte es ihn, dass Ausländerinnen nach wie vor über seinen Witz lachen konnten.
Dies alles hätte seinen südländischen Stolz arg angreifen können. Doch da seine Freundin eines Tages einen Antrag auf einen deutschen Pass stellte, konnte er sich sagen, dass er es letztlich geschafft hatte, eine Deutsche von sich und seinem Humor zu überzeugen.

Sonntag, 29. Januar 2012

Leavenworth

Heute einmal etwas ganz anderes - ein Video.



Leavenworth ist ein Kaff im US-Staat Washington. Nachdem es in dem Dorf mit der Wirtschaft bergab ging, kam man auf die Idee, es in ein deutsches Alpendorf umzubauen. Im Video sieht man, wie typische Deutsche leben und feiern.

Sonntag, 22. Januar 2012

Statistik: Ausländer in Deutschland


Quelle: Die Zeit 04-2012, Klick zum Vergrößern

Samstag, 14. Januar 2012

Sammelboxen am Straßenrand

Auch nach über zehn Jahren in Deutschland wundert sich Luisa jedes mal aufs neues über die Samelboxen, die am Straßenrand aufgestellt werden, damit Kunden ihre selbstgepflückten Blumen oder ähnliches selber bezahlen.
Sie sah es wieder und wieder in Deutschland: Ein Bauernhof, der auf einem Tisch vor dem Gut Gläser mit Honig verkauft, ein Feld, auf dem man Erdbeeren selber in die Schälchen füllen soll, ein Stand am Wegesrand, der Kürbisse verkauft, die man vor dem Bezahlen noch selber wiegen sollte.
Wie konnte das funktionieren? Waren die Menschen hier wirklich so ehrlich?
Ein Freund scherzte und sagte ihr einst "Luisa, in Brasilien wäre wohl zuerst die Sammelbox verschwunden!" Luisa schaute ihn ruhig an und erwiderte "Nein, alles würde verschwinden, die Blumen, die Früchte, die Waage... aber nicht die Box. Die wäre nämlich immer leer, und warum sollte sie dann jemand mitnehmen?"

Samstag, 7. Januar 2012

7 + 1: Larry (Australien)

7 Sachen, die mir an Deutschland gefallen:
  • 4 erkennbare, deutlich unterschiedliche Jahreszeiten
  • Die Vielfalt an tollen Biersorten, und die Tatsache, dass es teilweise billiger als Wasser ist
  • Die Nähe zu anderen europäischen Länder allgemein, und als begeisterter Wintersportler, insbesondere den Alpen
  • Autobahnen ohne Tempolimit und der vergleichsweise günstige Bußgeldkatalog
  • Die deutschen Frauen, die durchschnittlich hübscher und freizügiger sind als in Australien ;-)
  • Die Weihnachtsmärkte
  • Die Deutsche Küche - von einfachen Bratwürsten über leckere Hausfrauenklassiker wie Kassler, Rindsrouladen, Grünkohl, Bratkartoffeln, bis hin zu den vielen Brotsorten und der dazugehörigen großen Auswahl an Aufschnitt ... hier schmeckt mir fast alles
1 Sache, die ich in Deutschland vermisse:
  • Trotz Punkt 7: Essen. Ich vermisse den frischen Fisch/Meeresfrüchte, anständiges Rindfleisch und die Qualität des Obstes in Australien

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Weihnachts-Unterhosen 2011



Welche Tristesse! 2011 ohne Weihnachtsunterhosen?
Was ist geschehen? Sind sie nach dem Waschen nicht rechtzeitig trocken geworden?

Wie finster und traurig erscheint Neuenheim dieses Jahr... zur Erinnerung bleibt uns das Bild von 2010.

Montag, 19. Dezember 2011

Die grüne Gefahr

Als Luisa umgezogen war, rief sie ihre Mutter in Brasilien an und erzählte von ihrer neuen Umgebung: Ein schönes Haus, ganz in der Nähe viel Natur, ein Bach und ein Wald um die Ecke.
"Aber Kind, bist du dort wirklich sicher!?", fragte die Mutter besorgt.
Für die Mutter war alles Grünzeug ein Zeichen von Gefahr. Niemand assoziierte in Sao Paolo mit Parks Ruhe und Idylle. Eine Ansammlung von Büschen oder auch nur ein paar Bäume waren nichts, wo man sich gerne aufhielt.
Als Kind hatte Luisa lange nicht verstanden, warum sie nicht zwischen den Bäumen spielen durfte. Erst mit den Jahren ging ihr auf, dass sich in Parks oder beschatteten Plätzen immer dunkle Gestalten aufhielten, die einem im besten Fall etwas verkaufen und im schlimmsten Fall and den Kragen wollten.
Und folglich meiden die Bewohner Sao Paolos solche Orte. Für sie erscheinen sie unübersichtlich und lieber gehen sie durch betoniertes Areal, das sie in alle Richtungen überschauen können.
So kostete es Luisa ein wenig Überzeugungsarbeit, bis ihre Mutter ihr abnahm, dass in Deutschland Bäume kein Zeichen von Gefahr sind.

Donnerstag, 24. November 2011

Bei Rot stehen - bei Grün gehen: Seien Sie Vorbild!

Zum Thema dieseer Seite, etwas von der Internet-Seite der Stadt Köln:

Immer häufiger missachten Fußgängerinnen und Fußgänger die Rotsignale an Ampeln.
Um so schwerer ist es, Kindern zu vermitteln, dass sie bei "Rot" immer erst auf "Grün" warten müssen und dann erst die Straße überqueren dürfen. [...]
Daher: auch wenn Sie in Eile sind, oder die Straße frei ist - bitte überqueren Sie die Straße erst bei "grüner" Ampel. Seien Sie Kindern ein Vorbild im Straßenverkehr!
Mit der Aktion "Farbe bekennen", die zusammen mit Schulkindern durchgeführt wird, sollen Fußgängerinnen und Fußgänger vor Ort für diese Thematik sensibilisiert werden:

Die Fußgängerinnen und Fußgänger, die bei "Rot" die Fahrbahn oder gar die Gleise überqueren, werden angehalten, bekommen von den Schülerinnen und Schülern die "Rote Karte" gezeigt. Sie sollen sich dann mit den Schulkindern über die Gründe ihres Fehlverhaltens auseinandersetzen. Die Konfrontation mit dem eigenen Fehlverhalten soll die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer dazu bewegen, in Zukunft vorschriftsmäßig die Straße zu überqueren.

Fußgängerinnen und Fußgänger, die sich richtig verhalten, erhalten eine "Grüne Karte".
(von hier)

So wie in anderen Ländern bereits Kinder auf den Dienst in der Armee vorbereitet werden, so erhält man in Deutschland in jungen Jahren das Polizistenhandwerk näher gebracht.

Dienstag, 1. November 2011

Galeria Cow-Hof

Nein, Emily gehört nicht zu den Ausländern, die sich ständig über den schlechten Service in Deutschland beschweren.
Doch als sie neulich beim Kaufhof ein Paar Strümpfe umtauschen wollte, fragte sie sich, ob sich wirklich so viel in den letzten Jahren geändert hatte:
Sie stelle sich mit ihren Strümpfen an die Kasse der Strumpfabteilung, wartete bis die Kunden vor ihr bezahlt hatten, nur um dann von der jungen Kassiererin zu erfahren, dass diese noch nicht berechtigt sei, Umtäusche auszuführen und ihre Kolleging gerade in der Kaffeepause sei.
So ging Emily an die Kasse der Schreibwarenabteilung, wartete 10 Minuten bis sie an der Reihe war, nur um dann von dieser Kassiererin zu hören, dass an dieser Kasse keine Umtäusche möglich seien. Dazu müsse sie sich an der Kasse auf der anderen Seite, in der Kosmetikabteilung, anstehen.
Also reihte sie sich dort in die Schlange ein und wartete erneut, bis sie dran war. Und tatsächlich, es klappte! Obwohl die Kassierin die Strümpfe gründlich nach Mängeln untersuchte und eine weitere Kollegin um Unterstützung bitten musste („Ich habe hier einen Umtausch, kannst du gerade an der Kasse übernehmen?“), erhielt sie nach 3 Versuchen und 30 Minuten die 4,99 Euro für ihre Strümpfe zurück. Bar und nicht als Gutschein.
Sie überlegte kurz, ob sie nun jubeln solle.
Mit ihrem zurückgewonnenen Vermögen verließ sie den Kaufhof und musste dabei an ihre schottische Freundin denken, die sich immer über die unhöflichen Verkäuferinen in diesem Geschäft beklagt und diesen kurzer Hand in Cow-Hof umgenannt hatte.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Das Gelobte Land


Interessanter Artikel aus Die Zeit - warum Deutschland angeblich immer populärer in der Welt wird, und warum immer mehr Ausländer hierhin ziehen.

Passt ganz gut zu einem Zitat von Helge Timmerberg, einem Kind der 50er, der in den 60er bis 90er Jahren durch die Welt trampte, weil er es in Deutschland nicht aushielt.

2008 schrieb er:
"Vor knapp 40 Jahren flüchtete ich aus einem Deutschland, das nicht zu ertragen war. Wer auf Hippies rumhackt, weiß nicht, wie es hier in den sechziger Jahren ausgesehen hat. Auf den Straßen, in den Köpfen, in den Tassen. Schon ein Cappuccino galt als Gift für die deutsche Lebensart. Damals war Deutschland das langweiligste und intoleranteste Land überhaupt, heute ist es das glatte Gegenteil. "

Sonntag, 9. Oktober 2011

Das Schweigen im Büro

Als Deepali neu in ihrem Büro in Deutschland saß, hatte sie das Gefühl, alleine im Raum zu sitzen.
Ihre Kollegen kamen um 8 Uhr morgens und gingen um 6 Uhr abends. Dazwischen saßen sie schweigend vor ihren Computern, nur um zur Mittagszeit plötzlich zu verschwinden. Jeder einzeln.
Es war als säßen um sie herum Steine. Es gab keine Kommunikation.
Besorgt erzählte sie einem Freund, der schon länger in Deutschland war, von ihren Eindrücken. Er gab ihr den Tipp doch einfach Termine mit ihnen zu machen. Sie griff seine Idee auf, verschickte einige Kaffee- und Mittagstermine und siehe da, plötzlich klappte es - sie erhielt Anschluss, die Steine bekamen Gesichter und endlich verstand sie, was passierte, wenn plötzlich wieder ein Kollege schweigend das Büro verließ.

Samstag, 10. September 2011

Zuverlässigkeit

Immer wenn Nasreen ihre Cousine in New York besucht, muss sie sich dort die gleiche Geschichte anhören und sich sagen lassen, wie glücklich sie doch in Deutschland sein müsse.
Das kommt so: Die Cousine hat ein Modegeschäft und verkauft Kleider aus aller Welt. Und so schicken ihr Händler aus Frankreich, Italien, Indien, Mexiko und eben Deutschland Ware. Regelmäßig kommt ihre Planung durcheinander, weil wieder eine Lieferung nicht oder nicht rechtzeitig kommt. Es bringt sie zur Weißglut, wenn sie einmal mehr Kunden vertrösten oder eine Modenschau umbauen muss. "Nur die Deutschen", betont die Cousine, "auf die kann man sich verlassen. Die reden nicht viel, aber wenn sie sagen, dass eine Lieferung am Tag x kommt, dann wird sie da sein. Ohne Wenn und Aber."
Nasreen nickte nur und dachte "Eigentlich hat sie recht."

Sonntag, 7. August 2011

7 + 1: Deepali (Indien)

7 Sachen, die mir an Deutschland gefallen:
  • Es ist nie richtig voll - noch nicht einmal zu den Stoßzeiten morgens
  • Niemand hupt, selbst bei viel Verkehr, wenn es kaum voran geht
  • Ältere Leute kleiden und benehmen sich nicht wie ältere Leute
  • Selbst als Student kann man arbeiten
  • In Gruppen: einer redet und die anderen hören zu
  • Wenn der Winter in den Frühling übergeht: Es fühlt sich an wie eine Braut, die sich für ihre Hochzeit kleidet
  • Deutsche Hochzeiten: klein, gemütlich, hübsch und ruhig

1 Sache, die ich in Deutschland vermisse:
  • Es ist nie voll - selbst auf einem Markt am Samstag. Ich vermisse das pulsierende Leben ein wenig.